Regional Konferenz der ILGA-ASIA nach heftigen Protesten abgesagt

asia

UPDATE:

A Statement from the ILGA-ASIA BOARD on the Cancellation of 4th ILGA-Asia Conference in Surabaya, Indonesia

Eigentlich sollte in der vergangenen Woche, in Indonesiens zweitgrößter Stadt Surabaya, die Regionalkonferenz der ILGA stattfinden. Zu dieser waren eine Vielzahl von Delegationen aus zahlreichen asiatischen Staaten eingeladen, die ihre nationalen LGBTI Organisationen bei der Konferenz vertreten wollten. In den letzten beiden Tagen vor dem geplanten Beginn der Konferenz kam es jedoch zu heftigen Protesten seitens konservativer Muslime, die in der Konferenz einen Affront gegen ihren Glauben und ihre Kultur sahen. Vertreter des Rats der Muslimgelehrten, sowie von Muhammadiyah und Nahdlatul Ulama (den beiden größten Muslimorganisationen Indonesiens) hatten zu den Protesten aufgerufen, denen auch zahlreiche studentische Organisationen gefolgt waren.

Surabaya is not a city of gays or lesbians. Reject the lesbian and gay conference in Surabaya or in any other city in Indonesia”,

proklamierte ein Vertreter der Indonesian Muslim Students’ Action Front (KAMMI) gegenüber der Tageszeitung Jakarta Globe. Da die Behörden auf der Insel Java nach eigenen Aussagen nicht für einen sicheren Verlauf der Konferenz garantieren konnten und den heftigen Protesten Rechenschaft tragen wollten, entzogen sie der Konferenz einen Tag vor Beginn die Genehmigung. Die Tageszeitung(TAZ) zitierte in diesem Zusammenhang den Polizeisprecher Ketut Untung Yoga Ana wie folgt: “Wir mussten anerkennen, dass es heftigen Protest dutzender Massenorganisationen gab

Nachdem die Polizei den Organisatoren_Innen die Erlaubnis entzogen hatten entschlossen sich die Veranstalter die Konferenz abzusagen. Brenzlig wurde die Lage für die Konferenzteilnehmer_Innen zusätzlich, weil sich vor ihrem Hotel eine wütende Menge von Demonstranten_Innen versammelt hatte, die auch dort gegen die ILGA Konferenz Stimmung machten. Im weiteren Verlauf mussten die Teilnehmer_Innen evakuiert werden. Indonesiens Muslime bekennen sich eigentlich zu einem toleranten Islam und Homosexualität ist, bis auf die Region Aceh, zumindest noch kein Straftatbestand, jedoch scheint sich die Lage für nicht heterosexuelle Menschen weiterhin zu verschlechtern. Menschenrechtsorganisationen befürchten sogar, dass das aus dem Jahr 2008 stammende Gesetz gegen Pornographie, das in den letzten Tagen noch einmal vom Verfassungsgericht Indonesiens bestätigt wurde,  die Lage von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transidenten Menschen weiterhin verschlechtern könnte. Das Gesetz kriminalisiert nicht nur Pornographie als solches (Film-,Bild- und Tonmaterial), sondern ebenso werden auch bestimmt Bewegungen und Sprache verboten, die gegen die Moral der indonesischen Gesellschaft verstoßen- eine genaue Definition dieser Moralvorstellung ist jedoch nicht weiter definiert.

Zuletzt war Indonesien im Jahr 2007 in den Fokus des öffentliches Interesses geraten, als am 23.März 2007 die Yogyakarta-Prinzipien verabschiedet wurden, die die Anwendung der Menschenrechte in Bezug auf die sexuelle Identität/Orientierung eines jeden Menschen fordern.

Thematisch passend ist der Aufsatz von Boellstorff (University of California,Irvine) aus dem Jahr 2004 mit dem Titel: The Emergence of Political Homophobia in Indonesia: Masculinity and National Belonging

Quellen:

Indonesian Islamists Vow That Gay Conference Will Not Proceed (Jakarta Globe)

Homosexuelle in Indonesien Moralapostel auf dem Vormarsch (TAZ)

Surabaya Police ban gay rights group conference-The Jakarta Post

Islamic protestors force evacuation of ILGA conference participants in Surabaya

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About Rene Mertens

René Mertens (33) hat Politik / Spanisch und Erziehungswissenschaften an der Freien-Universität / Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universidad Autónoma de Madrid (UAM) studiert. Sein Arbeitsschwerpunkt am CSDSO liegt im Bereich LGBTI, Vereinte Nationen und Menschenrechte. Neben diesen Arbeitsbereich beschäftigt er sich mit der Frage, wie die Yogyakarta-Prinzipien in die auswärtige Politik und Entwicklungszusammenarbeit integriert werden können um einen inklusive Politik zu ermöglichen. Kontakt: Rene.mertens@csdso.org
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