“Internationaler Holocaust Gedenktag” am 27. Januar

Am 27. Januar begehen wir nicht nur den 65. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, sondern gleichfalls den Internationalen Holocaust Gedenktag. Heute wollen wir nicht nur den millionen Juden, Sinti und Roma gedenken, sondern auch auf die Verfolgung von tausenden von Homosexuellen während und auch nach dem Nationalsozialismus aufmerksam machen. Im nationalsozialistischen Deutschland fand eine Homosexuellen-Verfolgung ohne gleichen statt. Bereits im Jahr 1935 ordneten die Nazis eine weitere Verschärfung und Erweiterung des  § 175 des Strafgesetzbuches an, der die umfassende Kriminalisierung von Homosexuellen zur Folge hatte. Nun konnte bereits ein Kuss unter Männern zur strafrechtlichen Verfolgung führen, wobei auch schon allein die Tatsache reichte, dass eine Handlung das “allgemeine Schamgefühl” verletzte  oder eine “wollüstige Absicht” des Beschuldigten vorhanden war. Der § 175 bedeutet Gefängnis oder Zuchthaus, mehrere tausend Schwule verschwanden wegen ihrer Homosexualität in den Konzentrations- und Vernichtungslagern. Es gab mehr als 50.000 Verurteilungen und die Behörden des NS-Staates ordneten nicht selten die Kastration der jeweiligen Männern an. Ein großer Teil der in die Lager verschleppten Homosexuellen überlebte nicht. Sie starben an Hunger, Krankheiten, Misshandlungen und Folterungen oder wurden gezielt ermordet. Weibliche Homosexualität wurde mit Ausnahme des annektierten Österreichs nicht strafrechtlich verfolgt. Lesbisches Verhalten erschien den Nazis weniger bedrohlich. Gerieten sie jedoch in Konflikt mit dem Regime, waren die ebenso wie die Männer schweren Repressionen ausgesetzt. Schwule und Lesben mussten in der NS Zeit immer mit und in der Lüge leben. Seine eigene Identität und sich selbst als homosexuell zu offenbaren führte ins Verderben. Die Unterdrückung, Verfolgung von Homosexualität endete jedoch nicht mit den Nationalsozialisten, sondern bestand bis 1969 fort. Bis in dieses Jahr bestand der §175 unverändert und wurde von Gerichten der neuen Bundesrepublik angewendet. So geschah es, dass Homosexuelle die die unbeschreiblichen Zustände in den Lagern der Nazis überlebt hatten, vom bundesdeutschen Rechtsstaat zur Ableistung von “Reststrafen” in die Zuchthäuser und Gefängnisse verbracht wurden.  Die in der Bundesrepublik verfolgten homosexuellen Menschen erfuhren bis heute keine Entschädigung und wurden auch lange aus der “Gedenkkultur” um den Holocaust ausgeschlossen. Erst am 11. Juni 1994 wurde der §175 aus dem Strafgesetzbuch der Bundesrepublik gestrichen. Am 12. Dezember 2003 beschloss der Bundestag, die Errichtung eines Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Eine völlige Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer, die in der Bundesrepublik noch wegen ihrer Homosexualität verfolgt wurden ist bis heute nicht erfolgt.

Aus dem Antrag von Bündnis 90/Die Grünen “Rehabilitierung und Entschädigung der nach 1945 in Deutschland wegen homosexueller Handlungen Verurteilten”

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Bestrafung einvernehmlicher homosexueller Handlungen unter Erwachsenen als Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) eingestuft, ebenso die Festlegung unterschiedlicher strafrechtlicher Schutzaltersgrenzen für homo- und heterosexuelle Handlungen.

Der Deutsche Bundestag bekräftigt seine bereits am 7. Dezember 2000 einstimmig getroffene Bewertung, „dass durch die nach 1945 weiter bestehende Strafdrohung homosexuelle Bürger in ihrer Menschenwürde verletzt worden sind.“ (Bundestagsdrucksache 14/4894, vergleiche auch Plenarprotokoll 14/140). Es handelt sich um Menschenrechtsverletzungen im großen Ausmaß. Eine Rehabi- litierung und Entschädigung ist überfällig

Rehabilitierung und Entschadigung der nach 1945 in Deutschland wegen homosexueller Handlungen verurteilten

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About Rene Mertens

René Mertens (33) hat Politik / Spanisch und Erziehungswissenschaften an der Freien-Universität / Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universidad Autónoma de Madrid (UAM) studiert. Sein Arbeitsschwerpunkt am CSDSO liegt im Bereich LGBTI, Vereinte Nationen und Menschenrechte. Neben diesen Arbeitsbereich beschäftigt er sich mit der Frage, wie die Yogyakarta-Prinzipien in die auswärtige Politik und Entwicklungszusammenarbeit integriert werden können um einen inklusive Politik zu ermöglichen. Kontakt: Rene.mertens@csdso.org
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