UN Generalversammlung entscheidet sich gegen die Implementierung von “Gender Identity/Sexual Orientation” in Menschenrechtsresolution

Die UN Generalversammlung hat sich bei ihrem 65. Treffen vor einigen Tagen in New York mehrheitlich dagegen ausgesprochen, daß man zukünftig die Begriffe “sexuelle Orientierung/Gender Identity” als Schutzkategorien anerkennt, die unter das Diskriminierungsverbot der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) fallen. Der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) hatte in diesem Zusammenhang im Mai dieses Jahres innerhalb seiner Erklärung “General Comment 20” empfohlen, daß die Staaten die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung/sexuellen Identität beenden sollten. Jegliche Verletzung oder Diskriminierung in diesem Bereich sei nach Meinung des ECOSOC nicht vereinbar mit Art.2 des Sozialpaktes (ICESCR) in dem es heißt:

“The States Parties to the present Covenant undertake to guarantee that the rights enunciated in the present Covenant will be exercised without discrimination of any kind as to race, colour, sex, language, religion, political or other opinion, national or social origin, property, birth or other status

Der ECOSOC unterstrich darüber hinaus in seinem “General Comment 20”, daß die hier erwähnte Kategorie “other status” auch die sexuelle Identität/Orientierung mit einzuschließen habe.

Die Generalversammlung hat sich nun bei ihrer Sitzung (GA/19905) mehrheitlich dagegen ausgesprochen, einen Verweis auf die Ansicht des ECOSOC vom Mai 2009 in einer Resolution zu den Menschenrechten (Draft resolution on International Covenants on Human Rights – Document A/64/439) zuzulassen. Der Repräsentant der irakischen Regierung hatte im Namen der “Arabischen Staaten” eine Änderung des Entwurfes A/64/439 beantragt, der die Streichung des Verweises auf das “General Comment 20” zum Ziel hatte.

“…Iraq’s delegate cautioned that including a reference to the general comment would recognize controversial concepts on sexual orientation. It was paramount, he said, to prevent international
instruments from being ‘strangely interpreted’.”(GA/10905)

Die Änderung des Entwurfes bzw. die Streichung der Bezugnahme auf das “General Comment 20” wurde mit 76/72 Stimmen bei 26 Enthaltungen von der GV angenommen. Zwar kann das Ergebnis auf den ersten Blick als Rückschlag betrachtet werden, jedoch ist bei dem Abstimmungsergebnis in der UN auch ein gewisser ideologischer Wandel zu erkennen. Noch vor einigen Jahren wäre solch eine Abstimmung wesentlich deutlicher gegen die Erwähnung der Begriffe “sexuelle Orientierung” und “Gender Identity” in internationalen Resolutionen und Verträgen ausgefallen bzw. es wäre fraglich gewesen, ob man sich überhaupt dazu durch gerungen hätte das Thema zu diskutieren. Unten den Staaten, die sich jetzt mehr und mehr für die Durchsetzung der Menschenrechte unabhängig von der jeweiligen sexuellen Orientierung oder Identität des Menschen auf internationaler Ebene einsetzen, finden sich jetzt zum Beispiel auch Staaten wie die Türkei, Honduras, Bosnien und Herzegowina oder auch das islamisch geprägte Albanien. Auf der anderen Seite fällt jedoch auch auf, dass die Republik Südafrika, die sich einst rühmte die modernste Verfassung der Welt zu haben, bei der Abstimmung in der Generalversammlung in der Gruppe der “Arabischen Staaten” zu finden war, die die Akzeptanz der “sexuellen Orientierung” auf menschenrechtspolitischer Ebene bekämpfen.

Im Folgenden haben wir das Abstimmungsverhalten der Staaten aufgeführt:

Befürworter der Streichung: Afghanistan, Algeria, Bahrain, Bangladesh, Belarus, Benin, Botswana, Brunei Darussalam, Burundi, Cameroon, Cape Verde, Chad, China, Comoros, Congo, Côte d’Ivoire, Cuba, Democratic People’s Republic of Korea, Democratic Republic of the Congo, Djibouti, Dominica, Egypt, Eritrea, Gabon, Ghana, Guinea, Guyana, Indonesia, Iran, Iraq, Jamaica, Jordan, Kazakhstan, Kenya, Kuwait, Lebanon, Lesotho, Libya, Madagascar, Malawi, Malaysia, Mali, Mauritania, Morocco, Mozambique, Myanmar, Namibia, Nicaragua, Niger, Nigeria, Oman, Pakistan, Qatar, Russian Federation, Saint Lucia, Saint Vincent and the Grenadines, Saudi Arabia, Senegal, Sierra Leone, Somalia, South Africa, Sudan, Swaziland, Syria,Tajikistan, Togo, Tunisia, Turkmenistan, Tuvalu, Uganda, United Arab Emirates, United Republic of
Tanzania, Uzbekistan, Yemen, Zambia, Zimbabwe.

Gegner der Streichung: Albania, Andorra, Argentina, Armenia, Australia, Austria, Belgium, Bosnia and Herzegovina, Bulgaria, Canada, Chile, Colombia, Costa Rica, Croatia, Cyprus, Czech Republic, Denmark, Dominican Republic, Ecuador, El Salvador, Estonia, Finland, France, Georgia, Germany, Greece, Guatemala,Honduras, Hungary, Iceland, Ireland, Israel, Italy, Japan, Latvia, Liechtenstein, Lithuania, Luxembourg, Malta,Marshall Islands, Mexico, Micronesia (Federated States of), Monaco, Montenegro, Netherlands, New Zealand, Norway, Palau, Panama, Papua New Guinea, Paraguay, Peru, Philippines, Poland, Portugal, Republic of Korea, Republic of Moldova, Romania, San Marino, Serbia, Slovakia, Slovenia, Spain, Sweden, Switzerland, The former Yugoslav Republic of Macedonia, Turkey, Ukraine, United Kingdom, United States, Uruguay, Vanuatu.

Enthaltungen: Angola, Antigua and Barbuda, Azerbaijan, Bahamas, Barbados, Belize, Bhutan, Bolivia, Brazil, Equatorial Guinea, Ethiopia, Fiji, Grenada, Guinea-Bissau, Haiti, India, Liberia, Mauritius, Nepal, Samoa, Singapore, Sri Lanka, Suriname, Thailand, Timor-Leste, Trinidad and Tobago.

Quellen:

United Nations General Assembly.Draft Resolution “Promotion and protection of human rights: implementation of human rights instruments”-A/64/439 vom 7.12.2009

Dokument der UN Generalversammlung zum 65. Treffen – GA/10905

International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights (ICESCR)

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About Rene Mertens

René Mertens (33) hat Politik / Spanisch und Erziehungswissenschaften an der Freien-Universität / Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universidad Autónoma de Madrid (UAM) studiert. Sein Arbeitsschwerpunkt am CSDSO liegt im Bereich LGBTI, Vereinte Nationen und Menschenrechte. Neben diesen Arbeitsbereich beschäftigt er sich mit der Frage, wie die Yogyakarta-Prinzipien in die auswärtige Politik und Entwicklungszusammenarbeit integriert werden können um einen inklusive Politik zu ermöglichen. Kontakt: Rene.mertens@csdso.org
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