Konservative US Wissenschaftler positionieren sich gegen die “Neu-Interpretation” des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen

Vor kurzem erhielten wir die Nachricht aus New York, dass eines der wichtigsten UN Gremien, der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC), die “sexuelle Orientierung / Identität” in seinem “General Comment 20″ als eine der Kategorien im Diskriminierungsschutz anerkennt, die sowohl durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, als auch durch den Sozialpakt (International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights) geschützt ist. Das Gremium unterstrich, dass man unter dem Begriff “other status” ganz deutlich auch die “sexuelle Identität” zu sehen habe. Nachdem bereits zahlreiche kirchliche Organisationen angekündigt hatten gegen diese “neue” Sichtweise zu protestieren, melden sich nun auch zahlreiche konservative US-Wissenschaftler zu Wort, die diese breite Interpretation der Kategorie “other status” kritisieren.
So zitiert das Catholic Family & Human Rights Institute den Rechtsprofessor Jeremy Rabkin der George Mason University in diesem Zusammenhang wie folgt:

“…seems to reflect European fashion rather than any serious consideration of what most countries have actually understood as ‘discrimination.”

Gerade die konservativen Politiker und Wissenschaftler greifen diesen als “neu empfundenen” Weg in der Menschenrechtspolitik stark an und weisen darauf hin, dass gerade Länder in denen Religion und Traditionen noch gepflegt und geschützt werden, den neuen Ansatzals einen Angriff auf ihre Kultur & Religion verstehen würden. Kritiker wie Jakob Cornides, die den neuen Interpretationen wie auch den Yogyakarta Prinzipien sehr ablehnend gegenüberstehen sagen:

“In this new anthropology nobody is a man or a woman, but everybody arbitrarily defines his own gender identity: male or female, homo- or heterosexual, trans- or bisexual.”

Darüber hinaus betonen sie, dass die einzige Aufgabe und Nutzen der heterosexuellen Sexualität die natürliche Fortpflanzung sei und verurteilen die gleichgeschlechtliche Liebe als etwas “widernatürliches” und “fehlgeleitetes”

Die Meinungen der konservativen Organisationen spiegeln sehr gut die Probleme und Widerstände dar, mit denen LGBTI Organisationen und ein Großteil der Staaten, die die “Französische Resolution” unterstützen, umgehen müssen. Zwar haben Organisationen wie das Catholic Family & Human Rights Institute keinen direkten Einfluss auf die Entscheidungen in UN Gremien, jedoch können sie über das Werkzeug des Lobbyisten Vertreter von UN Mitgliedsländer beeinflussen und somit indirekt Einfluss auf die Menschenrechtspolitik der UN nehmen. Natürlich werden konservative Nichtregierungsorganisationen gerade in diesem Bereich von Vertretern des Vatikan und der Organisation Islamischer Staaten (OIC) massiv unterstützt. Die Einflussnahme passiert jedoch nicht nur über informelle Kanäle und Treffen. Gerade wirtschaftlich mächtige Staaten aus den Reihen der  OIC Mitgliedsländer versuchen über wirtschaftliche Anreize/Drohungen Druck auf andere kleinere / abhängige Ländern auszuüben, um Abstimmungen in diesem Bereich zu beeinflussen. Ein ähnliches Vorgehen zeigte sich bereits 2003 beim Scheitern der Brasilianischen Resolution.

Quelle der Zitate:
Yoshihara,Susan/Piero A. Tozzi(2009):Legal Scholars React to UN Committee’s Homosexual Rights Recommendation.in:http://www.c-fam.org/publications/id.1397/pub_detail.asp (abgerufen 2009-09-04)

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About Rene Mertens

René Mertens (33) hat Politik / Spanisch und Erziehungswissenschaften an der Freien-Universität / Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universidad Autónoma de Madrid (UAM) studiert. Sein Arbeitsschwerpunkt am CSDSO liegt im Bereich LGBTI, Vereinte Nationen und Menschenrechte. Neben diesen Arbeitsbereich beschäftigt er sich mit der Frage, wie die Yogyakarta-Prinzipien in die auswärtige Politik und Entwicklungszusammenarbeit integriert werden können um einen inklusive Politik zu ermöglichen. Kontakt: Rene.mertens@csdso.org
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