Türkei: Lambda Aktivistin ermodet

Am 10. März 2009 wurde die Transgender Aktivistin Ebru Soykan im Zentrum von Istanbul ermordet. Ebru hatte sich für die Rechte von Transsexuellen in der Türkei eingesetzt und war eine der führenden Kräfte der türkischen LGBTI Gruppe Lambda Istanbul. Vor ihrer Ermordung hatte sich Ebru mit den Misshandlungen von LGBTI durch türkische Staatsorgane (Polizei und Militär) beschäftigt und setzte sich für eine strafrechtliche Verfolgung der Misshandlungen und Diskriminierungen ein. Ebru hatte die türkischen Sicherheitsorgane schon mehrere Wochen vor ihrer Ermordung informiert, dass sie von einem Mann angegriffen worden war und von ihm Morddrohungen erhielt. Nach Angaben von Lambda und Human Rights Watch International unternahm die türkische Polizei nichts zu ihrem Schutz.
Im Jahr 2007 übergab Labda Istanbul dem türkischen Regierungsvertreter für Menschenrechte eine Liste auf der 147 Fälle von Misshandlungen und Diskriminierungen an LGBTI  festgehalten waren. Der Mord an Ebru ist nun schon das zweite tödliche Verbrechen an einem Mitglied von Labda Istanbul. Bereits im Juli 2008 wurde der 26-jährige Ahmet Yildez beim Verlassen eines Cafe’s am Bospurus von einem noch nicht identifizierten Mann ermordet, das Verbrechen wurde bis jetzt nicht aufgeklärt.
Die Gewaltverbrechen und die dokumentierten Misshandlungen spiegeln die prekäre Situation wieder, in der LGBTI in der Türkei leben müssen. Obwohl die Türkei als Anwärterin auf die EU Mitgliedschaft Diskriminierung und Verfolgung von LGBTI verhindern und strafrechtlich verfolgen muss, reagiert die türkische Justiz nicht.
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte stellte in diesem Zusammenhang unlängst fest, dass die Europäische Menschenrechtskonvention die Staatsorgane aller Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet zu handeln, wenn ihnen bekannt ist das das Leben einer Person akut bedroht ist.

Für weitere Informationen:

Human Rights Watch International

Bericht über Misshandlungen durch türkische Sicherheitsorgane:  http://www.hrw.org/en/reports/2008/12/05/closing-ranks-against-accountability-0 (abgerufen 2009-03.16)

Lesben- Schwulenverband Deutschland (LSVD)

Mord an Transgenderaktivistin in Istanbul:http://www.lsvd.de/1118.0.html (abgerufen 2009-03-15)

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About Rene Mertens

René Mertens (33) hat Politik / Spanisch und Erziehungswissenschaften an der Freien-Universität / Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universidad Autónoma de Madrid (UAM) studiert. Sein Arbeitsschwerpunkt am CSDSO liegt im Bereich LGBTI, Vereinte Nationen und Menschenrechte. Neben diesen Arbeitsbereich beschäftigt er sich mit der Frage, wie die Yogyakarta-Prinzipien in die auswärtige Politik und Entwicklungszusammenarbeit integriert werden können um einen inklusive Politik zu ermöglichen. Kontakt: Rene.mertens@csdso.org
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