Serbien: Anti-Diskriminierungsgesetz zurückgezogen ?

Wie am 10. März 2009 bekannt wurde, stand das Parlament in der serbischen Hauptstadt Belgrad kurz vor der Verabschiedung eines weitreichenden Anti-Diskriminierungsgesetzes. Besonders das Verbot von Diskriminierung aufgrund von Religion/Religionszugehörigkeit (Artikel 18) und aufgrund von “sexual orientation/gender indentity”(Artikel 21) war kontrovers diskutiert worden und war in den Entwurf mit aufgenommen worden. Nun zog die Regierung in Belgrad den Gesetzesentwurf am 4.März 2009 überraschend zurück. Menschenrechtsorganisation wie Human Rights Watch International und die lokale Organisation “Gay Straight Alliance” vermuten, dass die Gesetzesvorlage auf Druck der Serbisch Orthodoxen Kirche und einiger anderer kirchlicher Organisationen zurückgezogen werden musste.

Die Republik Serbien hatte in den Jahren 2001 und 2006 bereits Gesetzes zur Beendigung von Diskriminierungen auf nationaler Ebene erlassen. In diesem Jahr sollten die Religion und die sexuelle Orientierung/Identität in den Schutzbereich des Diskriminierungsgesetzes mit aufgenommen werden. Auf internationaler Ebene hat die Republik Serbien als einer der ersten Staaten das Protokoll 12 der “European Convention on Human Rights” unterschrieben und auch ratifiziert. Innerhalb des 12. Protokoll manifestieren sich auch die Anti-Diskriminierungsgrundsätze der EU. Ebenso ist die Serbische Republik auch Vertragspartner des International Covenant on Civil and Political Rights (ICCPR), einer der wichtigsten Menschenrechtskonventionen auf Ebene der Vereinten Nationen. Darüber hinaus ist Serbien als Anwärter auf eine evtl. Mitgliedschaft in der EU dazu verpflichtet sämtliche Anti-Diskriminierungsrichtlinien und Gesetze in seiner nationalen Gesetzgebung umzusetzen. Somit hat sich die Republik Serbien bereits dazu verpflichtet der Diskriminierung von Menschen im serbischen Staat entschieden entgegenzutreten und die Bürger und Menschen in Serbien vor Diskriminierung zu schützen. Nun muss besonders von Seiten der EU beobachtet werden, ob die Republik Serbien die Richtlinien und Gesetze im Bereich “Diskriminierungsschutz” auch aktiv umsetzt.
Weitere Informationen:

Update Mai 2009

Bereits wenige Tage nachdem dem Eklat, ist das Gesetz doch noch verabschiedet worden. Die Nationalversammlung stimmte am  26.März mit einer knappen Mehrheit für das Gesetz.

Im Nachfolgenden können Sie die beiden Artikel, die die Gleichstellung der Geschlechter (Gender) betonen und besonders die Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung verbieten nachlesen.(Engl/Serb.)

Article 20: Discrimination on the grounds of gender
Discrimination shall be considered to occur in the case of conduct contrary to the principle of the equality of the genders; that is to say, the principle of observing the equal rights and freedoms of women and men in the political, economic, cultural and other aspects of public, professional, private and family life.

It is forbidden to deny rights or to grant privileges, be it publicly or covertly, pertaining to gender or gender change. It is forbidden to practise physical violence, exploitation, express hatred, disparagement, blackmail and harassment pertaining to gender, as well as to publicly advocate, support and practise conduct in keeping with prejudices, customs and other social models of behaviour based on the idea of gender inferiority or superiority; that is, the stereotyped roles of the genders.

Article 21: Discrimination on the grounds of sexual orientation
Sexual orientation shall be a private matter, and no one may be called to publicly declare his/her sexual orientation.Everyone shall have the right to declare his/her sexual orientation, and discriminatory treatment on account of such a declaration shall be forbidden.


Član 20: Diskriminacija na osnovu pola
Diskriminacija postoji ako se postupa protivno načelu ravnopravnosti polova, odnosno načelu poštovanja jednakih prava i sloboda žena i muškaraca u političkom, ekonomskom, kulturnom i drugom aspektu javnog, profesionalnog, privatnog i porodičnog života.

Zabranjeno je uskraćivanje prava ili javno ili prikriveno priznavanje pogodnosti u odnosu na pol ili zbog promene pola. Zabranjeno je i fizičko i drugo nasilje, eksploatacija, izražavanje mržnje, omalovažavanje, ucenjivanje i uznemiravanje s obzirom na pol, kao i javno zagovaranje, podržavanje i postupanje u skladu sa predrasudama, običajima i drugim društvenim obrascima ponašanja koji su zasnovani na ideji podređenosti ili nadređenosti polova, odnosno stereotipnih uloga polova.

Član 21: Diskriminacija na osnovu seksualne orijentacije
Seksualna orijentacija je privatna stvar i niko ne može biti pozvan da se javno izjasni o svojoj seksualnoj orijentaciji.Svako ima pravo da se izjasni o svojoj seksualnoj orijentaciji, a diskriminatorsko postupanje zbog takvog izjašnjavanja je zabranjeno.

Quellen (05/2009):

International Gay &  Lesbian Human Rights Comission-Serbia-Anti-Discriminon Law is adopted (abgerufen 13.05.2009) http://www.iglhrc.org/cgi-bin/iowa/article/takeaction/resourcecenter/896.html

Die Tageszeitung: Keine Homo-Gleichstellung in Serbien

http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/keine-homo-gleichstellung-in-serbien/ (abgerufen 2009-03-18)

Human Rights Watch International

http://www.hrw.org/en/news/2009/03/10/serbia-pass-anti-discrimination-law (abgerufen 2009-03-12)

Share

About Rene Mertens

René Mertens (33) hat Politik / Spanisch und Erziehungswissenschaften an der Freien-Universität / Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universidad Autónoma de Madrid (UAM) studiert. Sein Arbeitsschwerpunkt am CSDSO liegt im Bereich LGBTI, Vereinte Nationen und Menschenrechte. Neben diesen Arbeitsbereich beschäftigt er sich mit der Frage, wie die Yogyakarta-Prinzipien in die auswärtige Politik und Entwicklungszusammenarbeit integriert werden können um einen inklusive Politik zu ermöglichen. Kontakt: Rene.mertens@csdso.org
This entry was posted in EU, Regionen and tagged . Bookmark the permalink.

Leave a Reply