Stellungnahme des Direktors des “Centre of the Studies Based on Sexual Orientation” (CSDSO) an der FU Berlin (Prof. Dr. Dr. H.-J. Mengel) zur Rolle der Katholischen Kirche während der Auseinandersetzung um die Ehe für alle in Frankreich.
Stellungnahme und Informationen zur Verantwortung der Katholischen Kirche zu wachsender Homophobie in Frankreich, während der Auseinandersetzungen um das Gesetz “Ehe für alle“
Stellungnahme
Am Dienstag ist nach zermürbenden Auseinandersetzungen die „Ehe für alle“ in Frankreich von der Nationalversammlung beschlossen worden. Damit reiht sich dieses Land als vierzehntes Land in der Weltgemeinschaft ein, in dem auch Homosexuelle unter dem Schutz des Staates eine Familie gründen können. Verbunden ist dies mit zunehmender Homophobie und Gewalt gegen Homosexuelle. Letzteres kommt nicht von ungefähr.
Hauptverantwortliche gesellschaftliche kraft dafür ist die Katholische Kirche, die mit großem Einsatz die UPM als konservative Partei bewegen konnte, den Widerstand gegen das Gesetz zu einem zentralen Thema zu machen. Auch gab es Gespräche zwischen katholischer Kirche, Islamischen Verbänden und der Jüdischen Gemeinde, um diese in der von der Kirche initiierte Widerstandsfront zu bringen. Um nicht allzu bleiern von gestern zu erscheinen, bedient sich die Kirche einer exzentrischen Kabarettistin in Gestalt von Frigide Barjot, Autorin des Werkes „ Confessions d´une catho branchee“ .
( „Bekenntnisse einer trendigen Katholikin“ ). Auch scheute man in diesem Kampf nicht die geschlossene Bundesgenossenschaft mit der „Front national“. Man demonstriert gemeinsam!
Bemerkenswert ist die straffe Organisation dieser Demonstrationen. Der Unmut wird vor allem in Kirchen und Kathedralen genährt. Zur großen Demonstration in Paris waren über tausend Busse aus allen Diozösen des Landes organisiert worden. Auf einem Banner mit religiösen Motiven war zu lesen: „Frankreich braucht Kinder keine Homosexuellen“. Den Startschuss für diese beispielslose Kampagne hatte der Pariser Erzbischof André Vingt –Trois, Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz in einer aggressiven Predigt im August 2012 gegeben. Er steht seither an der Spitze der Bewegung, empfängt und dankt den Demonstranten ohne große Differenzierungen.. Für ihn ist die gleichgeschlechtliche Ehe nichts anderes als „ein Schwindel, der die Fundamente unserer Gesellschaft bedroht.“ In Lyon gelang es dem dortigen kardinal besonders großen Widerstand zu organisieren. Für ihn läuft die gleichgeschlechtliche Ehe auf „Polygamie und Inzest“ hinaus, die als nächstes legalisiert würden. In Toulouse spitzte sich die Situation derart zu, dass es wie die WAZ schrieb zu gespenstischen Szenen kam: hier Familien mit kinderwagen und bunten Ballons, dort buntes Volk mit der Regenbogen- Fahne der Gaybewegung – dazwischen abgrundtiefer hass und eine Einsatzhunderschaft mit Schlagstöcken und Tränengas.“
Der Widerstand wird zentral vom Vatikan unterstützt. So heißt es in einer Stellungnahme der „ Kongregation für die Glaubenslehre“ des Vatikans vom 3.Juni 2003 unter dem damaligen Kardinal Ratzinger:
„Wird der gesetzgebenden Versammlung zum ersten Mal ein Gesetzentwurf zu Gunsten der rechtlichen Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften vorgelegt, hat der katholische Parlamentarier die sittliche Pflicht, klar und öffentlich seinen Widerspruch zu äußern und gegen den Gesetzentwurf zu votieren. Die eigene Stimme einem für das Gemeinwohl der Gesellschaft so schädlichen Gesetzestext zu geben, ist eine schwerwiegend unsittliche Handlung.“
- Mit diesem Druck, den sie jetzt in Frankreich und vorher in Argentinien ausübte, verlässt die katholische Amtskirche die wesentlichen Grundlagen eines repressionsfreien demokratischen Diskursrahmens.
- Die katholische Kirche lädt einmal mehr schwere Schuld auf sich. Sie legitimiert durch ihren unbarmherzigen Kampf gegen gleichgeschlechtliche Liebe, und die damit verbundene Form des staatlich anerkannten Zusammenlebens in einer Partnerschaft, das erneute Anwachsen von Homophobie, Verfolgung und Diskriminierung nicht nur in Frankreich, sondern weltweit. Dies ist schändlich!
Die vollständige Stellungnahme des CSDSO Direktors Prof. Dr. Dr. H.-J. Mengel finden Sie hier